Hintere Ötschergräben – 22.09.2012

Heuer war die Entscheidung schwer, wohin die Reise gehen sollte am alljährlichen „Allein-in-die-Berge“-Wochenende im Herbst. Eigentlich wollte ich Richtung Westen ins Salzburger Land, der Wetterbericht war für ganz Österreich eher bescheiden, für den Osten aber noch etwas besser als für den Westen des Landes. Also kurzfristig umdisponieren. Wo gibts in der Osthälfte „Berge“? Normalerweise orientieren wir uns ja fast immer Richtung Westen oder Süden…

Also schnell in die Bibliothek, einen Wanderführer für das Ötscherland organisieren. Darin enthalten einige interessante Touren „in d’Heh und in da Ebm“. Angesichts des Wetterberichtes fiel die Entscheidung dann auf eine Talwanderung – und was für eine! Im Wanderführer hieß es bei der Tour „Hintere Ötschergräben“: „Durch den Grand Canyon Österreichs.“ Die Neugierde war geweckt…

Ausgangspunkt war „Mitterbach am Erlaufsee“. Nicht gerade eine Weltstadt :-). Ich hatte davor jedenfalls noch nix gehört davon. Das Wetter war wolkig, aber durchaus wandertauglich. Mit Hilfe von Navi und Karte hab ich dann auch zum Ausgangspunkt am Erlaufstausee hingefunden.

Zuerst folgt man einer Forststraße, vorbei am Forsthaus Hagen (super hergerichtet!), dann rechts hinunter den Mühlbach entlang Richtung Ötschergräben. Steil geht es dann hinunter, und am Wirtshaus „Ötscherhias“ vorbei in den „Canyon“ hinunter. Der Ötscherhias ist eine spektakulär angelegte Jausenstation mit großer Terrasse und fällt meiner Einschätzung nach eher unter die Kategorie „Massentourismus“ als unter „Naturidylle“. Der Ötscherhias liegt auf halber Strecke der Ötschergräben: von Wienerbruck kann man durch die Vorderen Ötschergräben hierher gehen. Man kann aber auch vom Ötscherhias weiter westwärts gehen duch die Hinteren Ötschergräben – das war die Variante, die ich gewählte hatte. Die Vorderen Ötschergräben hab ich mich durch den „Direkteinstieg“ beim Mühlbach erspart.

Blick in die Ötschergräben, unten die Jausenstation „Ötscherhias“

Ich war schon gespannt, was mich erwarten würde im „Grand Canyon Österreichs“. Auch wenn diese Bezeichnung natürlich etwas Übertrieben ist, es ist eine wunderschöne Landschaft in einer Art Klamm, mit wunderbar klarem Bach und steilen Wänden rechts und links. Gelegentlich kommt man auch an beeindruckenden und ganz schön hohen Wasserfällen vorbei. Das Wetter war wolkig, später kam sogar die Sonne heraus. Allerdings war’s etwas windig, was aber im Graben nicht viel ausmachte. Nach ca. 2 h war der Schleierfall erreicht, mein Tagesziel. Auf dem Weg vom Ötscherhias bis zum Schleierfall hatte ich vielleicht eine Handvoll Wanderer getroffen, von „Überlaufen“ also keine Rede.

In den Hinteren Ötschergräben

Schön angelegter Weg

Schleierfall

Nachdem überall groß angeschlagen war, dass das „Schutzhaus Vorderötscher“ geschlossen hatte, entschied ich mich, nicht den Rundweg zu nehmen, sondern den gleichen Weg zurückzugehen. Dies auch deshalb, weil die Runde über das Schutzhaus hauptsächlich über Forststraßen verläuft. Auf dem Weg zurück war’s zunächst recht angenehm, doch je näher ich dem Ötscherhias kam, umso mehr Leute kamen mir entgegen. Kurz vor der Jausenstation war dann an ein gemütliches Wandern kaum mehr zu denken – dauernd kam wer entgegen, oder man lief auf Gruppen auf. Auf dem schmalen Weg im Canyon sind auch die Überhol- und Ausweichmöglichkeiten begrenzt, sodass ich dann froh war, beim Ötscherhias anzukommen und wieder aus den Ötschergräben hinauszusteigen. Noch dazu, weil auch beim Ötscherhias mächtig viel los war – zu viel für meinen Geschmack. Außerdem roch es penetrant nach altem Fett…wäh. Also nix wie weg und zurück zum Auto.

Mariazell

Nach einem kurzen Besuch in Mariazell (meinem ersten) fuhr ich weiter nach Lunz am See. Dort hatte ich eigentlich ein Quartier gebucht. Es stellte sich aber raus, dass in diesem Gasthaus an dem Tag eine Hochzeitsfeier ausgerichtet wurde. Überfüllter Parkplatz, Unmengen von Leuten und überfordertes Personal. Die Rezeption war nicht besetzt, ich folgte der Anweisung „Bitte läuten“. Auch nach mehrmaligem Versuch tauchte niemand auf. In vorbeikommender Musiker meinte, ich könne es ja „drübn in da Gaststubn“ versuchen. Auch dort Hochbetrieb, in der verrauchten Küche verlor grad jemand die Nerven und als ich dann auch noch mal kurz zu einer vorbeirauschenden Dame sagte: „Tschuldigung, ich hätt ein Zimmer reserviert!“, handelte ich mir ein böses „Jez neeed!“ ein. Nix wie weg…zum zweiten Mal heute. 😦

Ich nutzte die Gelegenheit, mir den Lunzer See anzuschauen, als es dann zu regnen begann. Ich fuhr weiter, machte einen Zwischenstopp in Lackenhof am Ötscher und überlegte dann, wo ich mir ein Nachtquartier  suchen sollte. Die Wahl fiel auf Göstling an der Ybbs – in der Nähe fand ich im Wanderführer eine nette Tour. Und außerdem hatte ich im Radio gehört, dass es am nächsten Tag umgekehrt sein sollte – besseres Wetter, je weiter man nach Westen kam. Und ich hatte die Hoffnung, dass ich am nächsten Tag vielleicht sogar  eine Tour im Gesäuse machen könnte…mehr dazu dann hier. 🙂

Fazit:
– tolle Landschaft in den Ötschergräben
– nette Tour ohne allzu große Höhenunterschiede (außer Auf-/Abstieg in den Graben)
– Trittsicherheit notwendig (wie in fast jeder Klamm)
– je weiter man nach hinten kommt, desto einsamer
– Jausenstation „Ötscherhias“ ist nicht meins…

Dieser Beitrag wurde unter Berge abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.