Bruce Springsteen – 17.06.2016

Der Mann ist nicht von dieser Welt. Er schreibt geniale Lieder, lustige wie traurige, eingängige wie schwierige. Er hat die Gabe, auf die Bühne zu gehen und von der ersten Minute an voll präsent und fokussiert zu sein. Schon wenigen Minuten nach Beginn eines Konzertes „hat“ er die Zuschauer. Die Zuschauer, die eine völlig inhomogene Gruppe sind. Von 7 bis 97. Generationenübergreifende Glückseligkeit. Es sind Lieder dabei für die, die getröstet werden wollen. Für die Helden des Alltags, die Zweifler, die Looser. Für die, die Halt suchen. Jeder fühlt sich angesprochen, jeder kann sich mit den Figuren in seinen Lieder identifizieren. Wie schafft er das? Ich weiß es nicht. Manche Lieder sind 40 Jahre oder älter. Und sie sind nach wie vor sensationell gut. Andere sind viel jünger, und sind auch sehr gut. Wie kann man über eine so lange Zeit so viele Menschen mit seiner Musik ansprechen?

Genug philosophiert. Die Fakten: Österreich hatte er diesmal nicht auf seinem Tourplan der „River“-Tour 2016, auch wenn es anfangs hieß, er könnte im Spielbergring oder im Happelstadion spielen. Aber München ist für uns ja auch nicht „aus da Wöd“. Die Tickets haben wir über eBay ersteigert, weil wir beim Ticketanbieter zu spät dran waren. Aber der Aufschlag auf den Originalpreis war überschaubar. Die Mehrkosten haben wir uns bei der ÖBB gespart – Sparschiene-Tickets um 14 EUR pro Person und Richtung, das ist schwer ok. Nach problemloser Anreise ging es am frühen Nachmittag des Konzerttages ins Hotel, um ein kurzes Nickerchen zu halten und sich frisch zu machen. Dann ein recht gutes Essen beim Chinesen, ehe es in den Olympiapark ging. Mit der Straßenbahn – sehr stressfrei. Es herrschte herrliches Wetter, frühsommerliche Temperaturen, T-Shirt-Wetter. Am Olympiasee gab es (schon wieder 🙂 ) noch eine freudige Überraschung, ehe wir uns gegen halb sieben ins Stadion begaben. Start sollte ja pünktlich um 19:00 Uhr sein, hieß es. Wir deckten uns noch mit einer „Weißweinschorle“ (a Spritzer…) und einem Tour-T-Shirt ein, dann ging es hinunter auf die Rasenfläche, die im Olympiastadion ja eine Asphaltfläche ist. Wir hatten „normale“ Stehplatzkarten (keine Front of Stage), aber weit vorne zu stehen war auch gar nicht unser Anspruch. Trotzdem waren wir in der vorderen Hälfte und hatten gute Sicht auf eine der seitlichen Video-Walls. Die Stimmung vor dem Konzert war zwar gut, aber nicht so ausgelassen wie beim Konzert 2012 in Wien, wo schon vor Beginn die Welle durch das Stadion ging.

Das Stadion füllt sich langsam

Das Stadion füllt sich langsam

Kurz nach 7 ging es dann tatsächlich schon los, und zwar mit einem E-Gitarren-Intro und „Prove It All Night“. Schon beim zweiten Lied – „Badlands“ – war das Publikum begeistert. „Sherry Darling“ vom River-Album wurde begeistert mitgesungen. Kurz darauf folgte „No surrender“, eines der beiden Lieder, die (M)ich(i) unbedingt hören wollte. Angeblich bekam da jemand ganz feuchte Augen vor lauter Begeisterung und Freude, aber derjenige hatte Gott sei Dank eine Sonnenbrille auf und keiner merkte es. 😉

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Hütte voll – es kann losgehen.

Es folgten abwechselnd Kracher („Hungry Heart“, „Johnny 99“ etc.) und ruhigeres („The River“, „41 shots“). Bei „Waiting on a Sunny Day“ hatte wieder ein Mädchen seinen großen Auftritt, und auch „Because the Night“ und „The Rising“ sangen die 57.000 im Stadion begeistert mit. Lied Nr. 23 auf der Setlist war dann endlich „Thunder Road“. Eines der besten und schönsten Lieder. Die „Zugabe“, die ohne große Pause folgte, begann mit „Born in the USA“ (…naja…muss ja wohl sein…), gefolgt vom genialen „Born to run“ und einer Endlos-Version von „Seven Nights to Rock“ (nicht von ihm, aber wen stört das schon…).

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Nach 6 Liedern im Zugabenblock und mehr als 3 Stunden Show trat die Band ab, aber Mr. Springsteen setze mit einer sensationellen Live-Solo-Accoustic-Version von „For You“ einen emotionalen Schlusspunkt: ein Lied aus 1972 (!), das auch von Manfred Mann gecovert wurde und in dem es um ein Mädchen geht, das einen Selbstmordversuch verübt. Das Original und auch Manfred Mann’s Version sind eher getrieben und hektisch, die Accoustic-Version beim Konzert war dagegen extrem ruhig und melancholisch.

Zusammengefasst: es war (wieder) genial. Danke, danke, danke. Bruce ist und bleibt der Beste. 🙂

Link zur Setlist

Videos:
Das ganze (!) Konzert als Video
Thunder Road
No surrender (…dass da die ersten Takte immer so schwierig sind… 🙂 )
My hometown
For you

Presse:
Bayrischer Rundfunk
Süddeutsche Zeitung
Abendzeitung
Rolling Stone
Münchner Merkur
Salzburger Nachrichten

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